Die (fast) perfekte Amiga Emulation - Teil 2

Dies ist Teil 2 der Anleitung “Die (fast) perfekte Amiga Emulation”. Lese unbedingt den ersten Teil dieser Anleitung, da Teil 2 auf dieser aufbaut.

Eine Amiga Konfiguration automatisch laden (optional)

Wenn alle vorherigen Schritte im ersten Teil dieser Anleitung korrekt ausgeführt wurden, startet der Emulator Amiberry nun automatisch beim Booten des Rechners, ohne dass wir uns einloggen müssen. Wir können jedoch noch einen Schritt weiter gehen und den Emulator so konfigurieren, dass er direkt mit einer bestimmten Konfiguration startet. Wir könnten beispielsweise direkt von einem Disketten-Image booten oder sogar von einer virtuellen Amiga-Festplatte. In diesem Beispiel erstellen wir eine virtuelle Festplatte, von der automatisch gebootet wird. Darüber hinaus wird die grafische Oberfläche des Emulators ausgeblendet.

Zunächst erstellen wir eine Amiga-Konfiguration. Natürlich kann jeder seine eigene Konfiguration zusammenstellen, diese dient nur als Beispiel.
  • Amiga 1200
  • 2 MB Chip RAM
  • 8 MB Fast RAM
  • Kickstart 3.2


Unter „Hard drives/CD -> Create Hardfile“ erstellen wir eine virtuelle Amiga-Festplatte bzw. ein HDF-Image.

Device Name: DH0
  • Setze einen Haken bei “Bootable”
  • Path: Gib hier den Pfad und einen beliebigen Namen (mit .hdf Endung) für die Festplatte ein.
  • Size: Die Größe des Images. Beachte, dass bei Verwendung eines Kickstarts in der Version 3.1 oder älter, nur Partitionen mit maximal 4 GB erstellt werden können
  • Bestätige mit OK


Entferne den Haken neben „Show GUI on startup“ unter „Miscellaneous“.


Abschließend speichern wir die Konfiguration unter „Configurations“ und benennen sie „Default“.


Damit Amiberry beim Neustart des Rechners direkt mit der Konfiguration „Default“ startet, muss die virtuelle Amiga-Festplatte zunächst eingerichtet und AmigaOS installiert werden. Diese Schritte sind in dieser Anleitung nicht enthalten. Nach erfolgreicher Einrichtung der Festplatte bootet der Rechner automatisch von der Amiga-Festplatte, ohne dass wir eingreifen müssen.


Drücke die Taste F12, um zur grafischen Oberfläche von Amiberry zurückzukehren.

Von einer echten Amiga Diskette booten (Optional)

Selbst wenn unser PC mit einem Diskettenlaufwerk ausgestattet wäre, wäre das nicht ausreichend. Der PC kann Amiga-Disketten nicht direkt lesen. Daher benötigen wir eine zusätzliche Hardware, die als Schnittstelle fungiert. Hier kommt das Greaseweazle ins Spiel, das eigentlich dazu dient, Disketten von verschiedenen Systemen zu kopieren.


In Kombination mit Amiberry ermöglicht die Greaseweazle Hardware den direkten Zugriff auf Amiga-Disketten. Die Greaseweazle benötigt einen freien USB-Port. Das USB-Kabel nach außen zu verlegen, ist zwar eine Möglichkeit, aber nicht besonders schön. Alternativ kann eine interne PCI-E zu USB Karte eingebaut werden.


Alternativ können wir auch einen internen Adapter USB 3 19-Pin auf 2 x USB-A verwenden. Schließe das Diskettenlaufwerk an den Greasewazle Adapter an, ebenso wie dessen Stromversorgung.


Um die DrawBridge-Funktion zu aktivieren, öffnen wir beim Starten des Rechners die Floppy-Einstellungen von Amiberry. Wähle als Laufwerk „DB:Compatible“ und setze „DrawBridge Drive“ auf „Greaseweazle“. Sollte das Datenkabel des Diskettenlaufwerks nicht gekreuzt sein, aktiviere die Option „DrawBridge: Connected as Drive B“.


Wenn wir nun die Emulation starten, können Amiga-Disketten gelesen werden.


Amiga CD-ROMs lesen

Amiga CD-ROMs können in der Regel mit jedem PC mit CD-ROM-Laufwerk gelesen werden, ohne dass zusätzliche Hardware wie bei Amiga-Disketten benötigt wird. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Anleitung unterstützt Amiberry jedoch keinen Zugriff auf CD-ROMs. Daher müssen wir auf eine alternative Lösung zurückgreifen. Die einfachste Methode besteht darin, den Inhalt der CD-ROM in eine ISO-Datei zu konvertieren, die dann direkt in Amiberry eingebunden werden kann. Wie im ersten Teil der Anleitung beschrieben, aktivieren wir zunächst die grafische Oberfläche von Ubuntu mit dem Befehl ssudo systemctl set-default graphical.target und starten den Rechner neu. Amiberry startet zwar, sollte aber beim Beenden des Emulators die grafische Oberfläche von Ubuntu laden. Dort angekommen, öffnen wir das Terminal und geben den folgenden Befehl ein:

sudo apt-get install brasero

Öffne Brasero, durch die Eingabe des Befehls „brasero“, und wähle „CD/DVD kopieren“. Im neuen Fenster wählen wir im Dropdown-Menü die „Abbilddatei“.


Klicke auf „Eigenschaften“, um das Bildformat auf „ISO“ zu ändern und den Speicherort für die Erstellung des Images festzulegen.

Jetzt legen wir die CD ins Laufwerk ein. Mit „Abbild erstellen“ wird das CD-Abbild erstellt. Nach dem Laden von Amiberry können wir das CD-ROM-Image einbinden. Dazu setzen wir unter „Hard drives/CD“ den Haken neben „CD drive/image“ und wählen mit „Select Image“ das gewünschte Image aus.


Der emulierte Amiga hat nun Zugriff auf das soeben eingebundene Image.

9Pin Commodore Joysticks verwenden

Wir haben nun eine nahezu perfekte Emulation. Es fehlen nur noch die Steuergeräte, insbesondere der passende Joystick. Da die 9-Pin Commodore Joysticks nicht direkt an den Rechner angeschlossen werden können, benötigen wir einen Adapter. Ich persönlich verwende diesen Adapter seit Jahren und bin sehr zufrieden damit.


Es gibt eine Vielzahl von Adaptern. Viele davon sind auf ebay.de zu finden. Um den Joystick zu konfigurieren, wählen wir ihn unter den entsprechenden Einstellungen von Amiberry aus. Unter „Input“ sollte er als „Port 0“ oder „Port 1“ verfügbar sein. Der Name des Adapters variiert je nach Adapter.

Die Tastatur-Sticker

Die Tastenbelegung der PC-Tastatur, die mit dem Rechner verbunden ist, entspricht natürlich nicht der des emulierten Amiga. Dies lässt sich jedoch ändern. Sticker, die auf die Tasten geklebt werden, sind in verschiedenen Online-Shops erhältlich, zum Beispiel unter www.amiga-shop.net.

Finale Tipps

Sollte kein Ton zu hören sein, überprüfe die Soundeinstellungen von Amiberry. Da der Ton sowohl über HDMI als auch über den Soundkartenausgang ausgegeben werden kann, ist es möglich, dass im Dropdown-Menü „Device“ das falsche Gerät ausgewählt ist.

Unter „Floppy Drive Sound Emulation“ in den Soundeinstellungen können wir die Geräusche von Diskettenlaufwerken emulieren.