Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Amiga-Diskettenlaufwerk nach all den Jahren nicht mehr funktioniert. Nicht immer ist ein Austausch des Laufwerks notwendig, manchmal kann es sich um einen kleinen Defekt oder einen verschmutzten Lesekopf handeln. Sollte eine Reparatur des Laufwerks nicht mehr möglich sein oder dieses nicht mehr vorhanden sein, ist ein Ersatz erforderlich. Amiga-Diskettenlaufwerke sind teuer und werden auf bekannten Internetplattformen häufig zu hohen Preisen angeboten. Es gibt jedoch eine Alternative. PC-Diskettenlaufwerke können ebenfalls im Amiga verwendet werden, allerdings sind einige Modifikationen erforderlich. Einige PC-Laufwerke können so modifiziert werden, dass sie am Amiga funktionieren. Andere hingegen nicht so einfach. In dieser Anleitung wird ein Adapter vorgestellt, mit dem die Verwendung aller PC-Diskettenlaufwerke im Amiga ermöglicht wird. Darüber hinaus sind einige weitere kleinere Modifikationen notwendig, die hier erläutert werden.
- Beachte die Polarität der Komponenten. Falsch verbaute Komponenten können zerstört werden.
- Beachte die Spannungsversorgung. Die Steckverbinder sind nicht kodiert. Ein falsch angeschlossener Stecker kann zu Schäden an der Hardware führen. Messe die Spannungen, bevor der Adapter installiert wird. Weitere Informationen sind dem Text weiter unten zu entnehmen.
- Achte auf Kurzschlüsse. Ein Kurzschluss kann Schäden an der Hardware verursachen.
- Es wird Erfahrung beim Löten von SMD-Komponenten vorausgesetzt.
- Achte auf die Ausrichtung des ICs. Stelle sicher, dass die Kerbe/Pin 1 mit dem Mainboard übereinstimmt.
- Arbeite nur im spannungsfreien Zustand an der Hardware und stecke das Adapter nur im ausgeschalteten Zustand in den Amiga.
- Trage ein antistatisches Armband, um statische Ladungen zu vermeiden.
- Diese Anleitung ist nur für die Verwendung durch erfahrene Personen bestimmt und es wird keine Verantwortung für Schäden übernommen, die direkt oder indirekt durch die Nutzung dieser Anleitung entstehen.
Die Komponenten
Für dieses Projekt werden nur wenige Komponenten benötigt, jedoch sind einige Details zu beachten. Zunächst wird die unbestückte Platine benötigt. Die Gerber-Dateien stehen auf der Projektseite des Entwicklers zum Download bereit. Diese können heruntergeladen werden (das gesamte Projekt im ZIP-Format) und anschließend auf die Webseite eines beliebigen PCB-Herstellers hochgeladen werden. Wir erhalten die unbestückte Platine, auf der die folgenden Komponenten gelötet werden.
- C2, C3 SMD Keramikkondensator 0.1 µF 1206
- C1, C4 Tantalkondensatoren 10 µF 16 V 1206 (Wichtig! 16V)
- R1, R2, R3, R4, R5, R6, R7 SMD Widerstand 2.2K Ω 5% 1/4W 1206
- R8 SMD Widerstand 330 Ω 5% 1/4W 1206 (Optional, nur für LED)
- D1 SMD LED 1206 (Optional)
- P1 Header Gerade 4pos
- P2 Header 90 Grad 4pos
- TO_AMIGA1 Header vert 34 pos 2.54 mm
- TO_FLOPPY1 Steckverbinder Buchse 90Grad 34pos 2.54mm (Siehe Anmerkung weiter unten)
- U1 SN74LS38N NAND-Gate IC 4 Kanal 14-DIP
- U1 Sockel für IC (Optional)
Anmerkung zu Widerstand R8 und LED: Diese beiden Komponenten werden nur benötigt, wenn eine Leuchtdiode auf der Platine verbaut werden soll. Sollte die Verwendung einer LED gewünscht sein, kann die Leuchtstärke durch Erhöhung des Widerstandswertes von R8 reduziert werden.
Anmerkung zu Steckverbinder Buchse 90Grad 34pos: Gemäß Stückliste auf der Projektseite des Entwicklers wird ein Header aufgeführt, der die Verbindung zwischen der Platine und dem Floppy-Laufwerk herstellen soll. Im Rahmen meiner Tests zeigte sich jedoch, dass die Montage des Diskettenlaufwerkes im Amiga 500 und Amiga 2000 aufgrund von Platzmangel mit diesem Header nicht realisierbar ist. Darüber hinaus besteht die Gefahr eines Kurzschlusses, da die Pins der Spannungsversorgung nahe am Metallgehäuse des Floppy-Laufwerkes positioniert sind. Aus diesem Grund habe ich in der BOM diesen Header durch eine 90-Grad-Variante ersetzt. Mit dieser Variante lässt sich das Laufwerk problemlos in den Amiga integrieren und es besteht kein Risiko von Kurzschlüssen. Dieser Fehler wurde auf der Github-Seite gemeldet und wird hoffentlich behoben.
Der Aufbau
Auch wenn es sich um ein kleines Projekt handelt, kann hier so einiges schiefgehen. Bei den folgenden Komponenten muss auf die Polarität geachtet werden:
- C1, C4 Tantalkondensatoren
- D1 SMD LED
- U1 SN74LS38N
Die Installation
Die Installation im Amiga ist sehr einfach und mit wenigen Handgriffen erledigt. Allerdings besteht bei falscher Verkabelung die Gefahr, den Amiga sowie das Floppy-Laufwerk und den Adapter zu beschädigen. Das Kabel der Spannungsversorgung versorgt den Adapter sowie das Floppy-Laufwerk mit 5 V und 12 V. Da keine Codierung des Steckers vorgesehen ist, besteht die Möglichkeit, diesen falsch herum einzustecken. In diesem Fall würden die 5V-Komponenten mit 12 V versorgt werden, was zur sofortigen Zerstörung führen würde. Aus diesem Grund ist darauf zu achten, dass die Stecker auf die richtige Weise eingesteckt werden. Siehe dazu folgendes Bild.
Der Funktionstest
Überprüfe nochmals die Verdrahtung und die Montage der Komponenten, bevor der Rechner eingeschaltet wird. Sind wir uns sicher, dass alles korrekt durchgeführt wurde, können wir zum ersten Test fortschreiten. Beim Einschalten des Amigas sollte das gewohnte Klickgeräusch des Diskettenlaufwerks zu hören sein. Das Laufwerk sollte nun Disketten lesen und beschreiben können. Sollte das Laufwerk nicht reagieren und die LED des Laufwerks (nicht die LED des Adapters) permanent leuchten, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Datenkabel falsch herum eingesteckt.
An dieser Stelle könnten wir gegebenenfalls weitere Tests durchführen, indem wir eine Diskette formatieren und kopieren.
Die Frontblende und der Eject-Taster
Der Einsatz des Laufwerks in einem Amiga 2000 sollte keine Schwierigkeiten bereiten. Anders verhält es sich jedoch mit der Anwendung im Amiga 500. Hier muss die Frontblende des Diskettenlaufwerks entfernt werden.
Im nächsten Schritt muss eine Lösung für die externe Betätigung des Eject-Tasters gefunden werden. Da die Eject-Taster von PC-Diskettenlaufwerken nicht standardisiert sind, existiert keine allgemeingültige Lösung. Eventuell finden wir auf der Plattform thingiverse.com eine passende Vorlage für einen Eject-Taster, der zu unserem Laufwerk kompatibel ist.
Das Projekt ist somit abgeschlossen. Der Amiga sollte nun mit einem funktionsfähigen Disketten-Laufwerk ausgestattet sein.