Das Wi-Fi Modem für den Commodore 64

Der Zugang zu BBS-Boards ist für Retro-Systeme schon lange keine Besonderheit mehr. Die entsprechende Hardware für den Zugang zu einer Mailbox ist für relativ kleines Geld zu bekommen. Wer bereits einen NodeMCU ESP8266 besitzt, kann mit wenig Aufwand ein Modem selbst bauen. Für den Aufbau werden nur wenige Komponenten benötigt, die zudem zu einem geringen Preis erhältlich sind.

Quelle dieser Anleitung: 1200baud.wordpress.com von Alwyz 


Bevor es losgeht, noch ein paar Hinweise (Wichtig!)
  • Die Verbindungen sollten sorgfältig kontrolliert werden. Ein Kurzschluss kann sowohl den C64 als auch den NodeMCU beschädigen. Bei Arbeiten am Userport sollte ein Kurzschlussschutz verwendet werden.
  • Auf den Stecker des Userports ist zu achten, da dieser auch falsch herum eingesteckt werden kann, was zu Beschädigungen am NodeMCU und C64 führen kann.
  • Führe alle Arbeiten immer im spannungslosen Zustand aus. Der Userport-Stecker darf nie in die Schnittstelle gesteckt werden, wenn der C64 oder der NodeMCU eingeschaltet sind.
  • Das NodeMCU darf niemals gleichzeitig vom C64 und über USB mit Spannung versorgt werden. Weitere Informationen werden im Text genannt.
  • Um statische Aufladung zu vermeiden, wird das Tragen eines Antistatik-Armbands empfohlen.
  • Es wird keine Haftung für Schäden übernommen, die direkt oder indirekt aus dieser Anleitung entstehen.

Das Wi-Fi Modem

In dieser Anleitung wird ein Wi-Fi-Modem gebaut, das in seiner Funktionsweise dem Modellen ähnelt, die in Retro-Online-Shops als Fertiglösung angeboten werden. Geschwindigkeiten von bis zu 9600 Baud sind realisierbar, was für den Besuch von BBS-Boards mehr als ausreichend ist. Auf eine Fertigplatine und ein Display wird vollständig verzichtet. In dieser Anleitung wird das Modem mit einem Minimum an Komponenten aufgebaut, um die Kosten niedrig zu halten. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, das Gerät auf einer Platine bzw. in einem Gehäuse zu verbauen.

Die Komponenten

Für die Umsetzung unseres Vorhabens werden folgende Komponenten benötigt, die leicht zu beschaffen sein sollten.

Der Aufbau

Die Verdrahtung erfordert lediglich einige wenige Verbindungen. Die Schaltung ist dem nachfolgenden Bild zu entnehmen.

Die Spannungsversorgung

Es wird angemerkt, dass die Spannung direkt vom C64 Userport entnommen wird. Gemäß den Spezifikationen kann aus diesen bis zu 100 mA Strom entnommen werden. Laut meinen Messungen werden bei unserem Wi-Fi-Modem mit 97 mA die Grenzwerte nahezu erreicht. Dies sollte grundsätzlich keine Probleme verursachen. Um auf Nummer sicher zu gehen, kann der NodeMCU extern mit Spannung versorgt werden. ⚠ Es ist jedoch zu beachten, dass bei externer Versorgung des NodeMCU über den USB-Port die Spannungsversorgung (5V) zwischen C64 und NodeMCU getrennt werden muss. Andernfalls könnte der C64 beschädigt werden.

Die Firmware flashen

Bevor mit dem Flash-Vorgang begonnen werden kann, muss das NodeMCU zunächst von Windows erkannt werden. Hierfür wird ein Treiber benötigt, der je nach Bedarf von silabs.com (CP210x) oder von github.com (CH340G) heruntergeladen werden muss. Ob die Installation korrekt durchgeführt wurde, kann im Gerätemanager von Windows überprüft werden.


Im Anschluss wird die Firmware sowie das erforderliche Flash-Tool heruntergeladen. Im Archiv der Firmware befindet sich bereits ein Flash-Tool. Mit diesen hatte ich allerdings wenig Erfolg und konnte die Firmware nicht flashen. Deshalb bin ich auf ein anderes Flash-Tool ausgewichen, welches gut funktioniert: Nodemcu-Flasher 64 Bit Version oder Nodemcu-Flasher 32 Bit Version. Das Tool wird heruntergeladen, geöffnet und der Port angegeben, an den das NodeMCU angeschlossen ist. Wenn nur ein Gerät am Rechner angeschlossen ist, sollte der entsprechende Port bereits voreingestellt sein.


Im nächsten Schritt wird unter dem Reiter “config” der Pfad zur Firmware angegeben. Im Anschluss starten wir den Flash-Vorgang.

Das Terminal

Für den Besuch von BBS-Boards wird ein Terminal benötigt, das auf dem C64 läuft. Für diesen Zweck stehen mehrere Optionen zur Auswahl. Eines davon ist CCGMS. Leider musste ich bei meinen Tests feststellen, dass die neueren Versionen von CCGMS nicht mit diesem Wi-Fi-Modem kompatibel sind. Die neueste Version, die mit diesem Modem kompatibel ist, ist die Version 2017 V6. Diese kann hier heruntergeladen werden: csdb.dk. Für den Transfer auf den C64 wird ein entsprechendes Laufwerk benötigt, zum Beispiel ein Pi1541.

Die Ersteinrichtung des Wi-Fi Modems

Der C64 wird nun ausgeschaltet und das Wi-Fi-Modem wird mit dem C64 verbunden. Auf die korrekte Ausrichtung des Steckers des Userports ist zu achten, da eine falsche Installation zu einer Beschädigung des Nodemcu und C64 führen kann. Im Anschluss schalten wir den C64 wieder ein und laden das Terminal. Zunächst müssen die Einstellungen mit der Taste F7 geöffnet werden. An dieser Stelle ändern wir die folgenden Einstellungen.

Baudrate = 300
Modem Type = User Port


Durch Betätigung der Enter-Taste wird das Einstellungsmenü verlassen und zum Terminal zurückgekehrt. Durch erneutes Betätigen der Enter-Taste sollte auf dem Bildschirm ein Text angezeigt werden, der die erfolgreiche Verbindung zwischen C64 und Modem bestätigt. Sollte dieser Vorgang nicht wie erwartet ablaufen, ist es erforderlich, die Reset-Taste des NodeMCU-Boards zu drücken und den Vorgang zu wiederholen. In einigen Fällen war dies bei meinen Tests erforderlich.


Anschließend geben wir die WLAN-Zugangsdaten ein. Die Taste F8 muss gedrückt werden, um in den ASCII-Modus zu gelangen. Anschließend können folgende Befehle eingegeben werden:

at$ssid=HIER DIE SSID
at$pass=HIER DAS WLAN-PASSWORT


Drücke die Taste F8, um in den Grafik-Terminal-Modus zurückzukehren und gib den Befehl atc1 ein. Sollte keine Verbindung zustande kommen, besteht kein Grund zur Sorge. Der C64 und das NodeMCU-Modul müssen ausgeschaltet und der Vorgang anschließend erneut gestartet werden. Ab jetzt sollte sich das Modem mit dem WLAN verbinden. Dies konnte in meinen Tests mehrfach reproduziert werden. Im letzten Schritt werden einige Befehle eingegeben, um das Modem dazu zu konfigurieren, die Daten mit 9600 Baud zu übertragen.

at&p0
at&k1
at$sb=9600

Um CCGMS entsprechend zu konfigurieren, wird nun in den Einstellungen (Taste F7) der Modem-Typ auf "Up9600" und die Baudrate auf "9600" geändert. Die vorgenommenen Einstellungen speichern wir mit der Taste "S" ab und wechseln mit der Enter-Taste zum Terminal. Darüber hinaus sollten die vorgenommenen Einstellungen der Firmware abgespeichert werden, um eine erneute Konfiguration beim nächsten Mal zu vermeiden. Hier geben wir den Befehl at&w ein. Mit dem Befehl ati kann jederzeit überprüft werden, ob und mit welchem WLAN wir verbunden sind.


Abschließend werden wir eine Verbindung zu einem BBS-Board herstellen. Das Terminal wird im Grafikmodus (F8) geschaltet und der folgende Befehl wird eingegeben. Die zugehörige Syntax lautet:

ATDT bbsboard:port

Das könnte beispielsweise so aussehen: ATDT streetcorner.ddns.net:6400

Tipps

  • Beachte, dass nach einem Neustart die Einstellungen von CCGMS 2017 (Modem-Typ und Baudrate) neu eingegeben werden müssen, sofern sie nicht gespeichert wurden.
  • Falls beim Konfigurieren etwas schiefgelaufen ist, können die Firmware-Einstellungen jederzeit mit dem Befehl at&f auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt werden.
  • Wenn ein BBS-Board verlassen wird, sollte die Verbindung getrennt werden, indem die Tasten „SHIFT” und „RUN/STOP” gedrückt werden. Dadurch wird die Verbindung ordnungsgemäß getrennt, ohne dass diese weiterhin besetzt bleibt.
  • Eine umfangreiche Liste der verfügbaren BBS-Boards ist hier zu finden: cbbsoutpost.servebbs.com.