Der Amiga CD32, eine von Commodore entwickelte Konsole, wurde im September 1993 in Europa, Kanada, Australien und Brasilien auf den Markt gebracht. Er zählt zu den letzten Amiga-Modellen, die vor Commodores Insolvenz produziert wurden. Obwohl der Amiga CD32 als erste 32-Bit-Konsole der Welt vermarktet wurde, ist diese Aussage nicht ganz korrekt. Während er in Europa tatsächlich die erste 32-Bit-Konsole war, hatte die japanische FM Towns Marty von Fujitsu dieses Ziel bereits Monate zuvor erreicht. Technisch basierte der Amiga CD32 auf einem Amiga 1200 und teilte daher ähnliche technische Merkmale.
Anders als einige seiner Konkurrenten unterstützte der Amiga CD32 ausschließlich CDs und keine Cartridges. Das integrierte CD-ROM-Laufwerk arbeitete mit doppelter Geschwindigkeit und war das einzige Laufwerk im Gerät.
Die Konsole wurde mit einem Joypad gesteuert, das sich durch seine einfache Bauweise und angenehme Haptik auszeichnete. Sieben Tasten und ein Steuerkreuz reichten aus, um alle Spiele zu bedienen. Trotz der vielen Tasten war das Joypad mit einem 9-Pin-Stecker ausgestattet, wie bei Standard-Joysticks üblich. Ein integrierter „Parallel zu Seriell“-Konverter ermöglichte die Erkennung der einzelnen Tasten.
Wie bereits erwähnt, entsprachen die technischen Spezifikationen der Konsole denen des Amiga 1200. Folglich war die Konsole leistungsmäßig in der Lage, alle Spiele auszuführen, die auch auf einem Amiga 1200 spielbar waren. Die technischen Daten der Konsole sind wie folgt:
- 68EC020 CPU 14.28 MHz
- 2 MB Chip RAM
- 1 KB NV-RAM
- Kickstart 3.1
- AGA Chipset
- CD-ROM 2fach
- Audio 8 bit, 4 channel stereo
Ein einzigartiges Merkmal der Amiga CD32-Hardware ist der Akiko-Chip, der ausschließlich in dieser Konsole zu finden ist. Dieser Custom-Chip spielt eine entscheidende Rolle bei der Grafikdarstellung, insbesondere bei der Hardwarebeschleunigung der Chunky-to-Planar (C2P)-Konvertierung. Dadurch wird die Darstellung von 2D- und 3D-Grafiken deutlich beschleunigt, da Akiko diese Konvertierung in Hardware übernimmt, deutlich schneller als eine CPU. Dies ermöglicht eine flüssigere Darstellung von Spielen und anderen Anwendungen. Zu den Spielen, die den Akiko-Chip nutzen, gehören Stardust, Microcosm und Wing Commander.
Die Spiele-Bibliothek
Die verfügbare Auswahl an Spielen für den Amiga CD32 war begrenzt. Ein gravierender Nachteil bestand darin, dass viele Spiele, die ursprünglich auf Disketten veröffentlicht wurden, lediglich eins zu eins auf die CD kopiert wurden. In einigen Fällen wurden zusätzliche Animationen oder Extras hinzugefügt, da die CD über ausreichend Speicherplatz verfügte. Leider standen nur eine geringe Anzahl exklusiver Titel für den CD32 zur Verfügung. Zu den Ausnahmen gehören Defender of the Crown II und The Final Gate.
Da das Kopieren von CDs zu dieser Zeit noch nicht weit verbreitet war, waren die Spiele nicht mit einem Kopierschutz versehen. Im Gegensatz zu den Diskettenversionen hatte der CD32 kein Problem mit Raubkopien. Dennoch blieb der CD32 hinter den Erwartungen zurück und konnte den dringend benötigten Erfolg für Commodore nicht erzielen, was vor allem auf die relativ kleine Softwarebibliothek zurückzuführen war.
Amiga CD32 Gamer ist ein Beispiel für ein Magazin, das sich ausschließlich mit dem Amiga CD32 befasste. Anders als bei anderen Magazinen, die Disketten beilegten, enthielt Amiga CD32 Gamer Cover-CDs mit Spiele-Demos.
Der Bootscreen un Extra-Tools
Beim Einschalten des Amiga CD32 ohne Spiel erscheint ein animierter und farbenfroher Bootscreen. Neben dem Kickstart waren in der Konsole erweiterte Roms integriert, die unter anderem diesen Bootscreen enthielten. Zusätzlich bietet der CD32 ein Sprachmenü und einen Savegame-Manager, die beide über die Tasten des Controllers aufgerufen werden können. Im Optionsmenü lässt sich lediglich die Sprache ändern, während der Savegame-Manager die Spielstände der jeweiligen Spiele anzeigt. Der dafür reservierte Speicher von nur 1 KB mag zwar gering erscheinen, reichte aber für die Speicherung mehrerer Spielstände aus.
Legt man eine Audio-CD ein, startet der Audioplayer automatisch. Dieser bietet die grundlegenden Funktionen zur Wiedergabe der Titel auf der CD.
Zubehör und Erweiterbarkeit
Obwohl der Amiga CD32 in erster Linie als Spielkonsole konzipiert war, bot er eine Vielzahl von Zubehör und Erweiterungen. Mit dem passenden Zubehör, wie z. B. einer Tastatur und einer Maus, konnte der CD32 in einen vollwertigen Amiga 1200 verwandelt werden. Turbo-Karten mit zusätzlichem Speicher und Festplatte (SX1 und SX2) waren ebenfalls für den CD32 erhältlich und gelten heute als begehrte Sammlerstücke. Glücklicherweise gibt es auch moderne Erweiterungen, die erschwinglich sind. Eine beliebte Alternative ist die „Terrible Fire 328“, die der Konsole 8 MB zusätzlichen Speicher, eine IDE-Schnittstelle sowie einen RGB-Port und PS/2-Port über einen Expansions-Slot bietet.
| Amiga CD32 - Terrible Fire 328 |
Für den CD32 wurde sogar ein Diskettenlaufwerk entwickelt, allerdings nicht von Commodore selbst. Dieses Laufwerk, bekannt als Analogic/FWSI, wurde ursprünglich für das Wall Street Institut hergestellt. Es wurde mit einer CD geliefert, die Multimedia-Trainingssoftware enthält und im CD32 eingelegt werden kann. Die mit der Software ausgeführte Arbeit kann dann auf einer 3,5 Zoll-Diskette mit einer Speicherkapazität von 1,44 MB abgespeichert werden. Das Laufwerk verfügt außerdem über ein DB25-Parallelboard, einen DB15-Videoausgang und eine akkugepufferte Uhr.
| Amiga CD32 - Floppy Disk Drive Analogic Computers |
Als Alternative zum mitgelieferten Joypad, das zwar handlich und ergonomisch war, wurde der Honey Bee entwickelt. Diese Joypads sind heute begehrte Sammlerstücke und erzielen hohe Preise.
Schlusswort
Der Amiga CD32 wird oft als Misserfolg oder als nicht ausreichend innovativ angesehen. Die geringe Softwarebibliothek trug maßgeblich zu seinem endgültigen Aus bei. Die wenigen Spiele, die für den CD32 portiert wurden, zeigten jedoch sein Potenzial. Mit mehr Zeit hätte sich die Konsole wahrscheinlich weiter verbreitet und eine größere Spielebibliothek aufgebaut. Diese Zeit blieb Commodore jedoch nicht. Der CD32 blieb somit die einzige Amiga-Konsole von Commodore.