Wenn es darum geht, Daten auf dem Amiga zu übertragen, ist ein Gotek-Floppy-Drive-Emulator die erste Wahl. Für die Übertragung größerer Datenmengen ist dieser jedoch nicht ideal. Hierfür müssen wir auf eine andere Methode ausweichen. Die SD-Box ist ein Gerät, mit dem Daten mithilfe einer SD-Karte auf jeden Amiga mit Parallelport übertragen werden können. AmigaOS erkennt die SD-Karte als Laufwerk. Darüber hinaus ist die SD-Box sehr kostengünstig und einfach zu bauen. In dieser Anleitung werden wir unsere eigene SD-Box bauen und am Amiga einrichten.
Quellen dieser Anleitung:
Bevor es losgeht, noch ein paar Hinweise (Wichtig!)
- Erstelle eine Sicherheitskopie von Datenträger, die nicht gelöscht werden sollen.
- Im Zuge des Löschvorgangs wird die verwendete SD-Karte vollständig gelöscht. Achte beim Löschen darauf, das korrekte Laufwerk zu wählen.
- Beim Bau der Hardware ist darauf zu achten, dass Kurzschlüsse vermieden werden. Ein Kurzschluss kann sowohl den Arduino als auch den Amiga beschädigen.
- Arbeiten an der Hardware dürfen ausschließlich im spannungsfreien Zustand durchgeführt werden. Schalte den Amiga sowie die SD-Box aus, bevor die SD-Box in die Amiga-Schnittstelle gesteckt wird.
- Beachte, dass der parallele Port des Amiga 1000 nicht kompatibel mit der SD-Box ist.
- Schalte Amiga und SD-Box in der richtigen Reihenfolge ein und aus. Siehe Text weiter unten.
- Um statische Aufladungen zu vermeiden, wird die Verwendung eines Antistatik-Armbandes empfohlen.
- Es wird keine Haftung für Schäden übernommen, die direkt oder indirekt aus der Nutzung dieser Anleitung entstehen.
Die Varianten
Eine kurze Online-Recherche zeigt, dass neben dem ursprünglichen Github-Projekt auch mehrere Forks existieren. Obwohl die Funktion bei allen gleich ist, orientiert sich diese Anleitung am Projekt von Amigamess. Der Grund dafür ist einfach: Der Entwickler hat eine deutlich vereinfachte Version erstellt, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Das bedeutet, dass keine SMD-Komponenten benötigt werden. Zusätzlich stellt der Entwickler ein Disketten-Abbild zur Verfügung, mit dem wir die SD-Box einbinden können. Dies vereinfacht den Nachbau dieses Projektes erheblich.
Die Komponenten
Zunächst benötigen wir die Komponenten, um die SD-Box nachzubauen. Es sind nur vier Komponenten, von denen die erste die unbestückte Platine ist. Diese können wir bei PCBWay bestellen.Außerdem benötigen wir die folgenden Komponenten:
- DB25 Stecker 90 grad gewinkelt
- Arduino Nano V3.0
- MicroSD Slot
- Sockel für Arduino Nano (Optional)
- MicroSD-Karte
Der Arduino Nano und der SD-Kartenslot müssen auf die Platine gelötet werden, daher sind die entsprechenden Header erforderlich. Diese sollten beim Kauf der Komponenten berücksichtigt werden. Der SD-Kartenslot hat zwar in der Regel bereits angelötete Header, diese sind jedoch 90 Grad gebogen und können daher nicht auf unsere Platine angebracht werden. Sie müssen entweder entfernt oder der SD-Kartenslot sollte, falls möglich, ohne Header gekauft werden.
Der Aufbau
Sobald alle Komponenten vorliegen, können diese auf die Platine gelötet werden. Die Komponenten müssen auf der beschrifteten Seite der Platine gelötet werden.Um den 90-Grad-DB25-Stecker in die parallele Schnittstelle des Amiga einzustecken, müssen wir die beiden Schrauben entfernen. Dadurch löst sich jedoch die Metallverkleidung des Steckers, die anschließend mit Sekundenkleber befestigt werden muss.
Die Firmware
Die Firmware finden wir auf der Projektseite des Entwicklers. Lade anschließend die Arduino IDE herunter, installiere sie und öffne damit die Firmware. Schließe den Arduino Nano am Computer an. Damit dieser von Windows erkannt wird, müssen wir einen Treiber installieren, der auf www.wch-ic.com zu finden ist. Überprüfe die korrekte Installation im Geräte-Manager von Windows.
Die Firmware kann nun auf den Arduino geflasht werden. Falls der Vorgang mit einem Fehler abbrechen sollte, können wir versuchen, den alten Bootloader zu verwenden. Dieser wird ebenfalls in den Einstellungen der Arduino IDE ausgewählt.
Wenn der Flashvorgang erfolgreich abgeschlossen wurde, können wir mit der Einrichtung der SD-Karte fortfahren.
Die Einrichtung der SD-Karte
Man könnte glauben, dies sei der einfachste Teil dieses Projekts, allerdings ist die SD-Karte Hauptursache für Fehlfunktionen der SD-Box. Die SD-Box ist nämlich sehr wählerisch, was SD-Karten betrifft. Zum einen unterstützt sie nur SD-Karten mit sehr geringer Speicherkapazität. Zum anderen werden nicht alle Karten dieser Art unterstützt oder es treten Fehler auf. Daher wird empfohlen, SD-Karten mit einer maximalen Speicherkapazität von einem Gigabyte zu verwenden. Da SD-Karten heutzutage jedoch weitaus mehr Kapazität bieten, müssen wir diese limitieren, indem wir eine Partition erstellen, die maximal 1 Gigabyte Speicher aufnehmen kann. Dies erreichen wir mit dem Windows-Tool „Diskpart”. Stecke die Micro-SD-Karte in das Kartenlesegerät, öffne die Eingabeaufforderung von Windows (CMD) und gib den Befehl „diskpart“ ein.
Im nächsten Schritt werden wir die SD-Karte vollständig löschen. Dabei werden alle Daten unwiderruflich gelöscht. ⚠ Stelle sicher, das richtige Laufwerk auszuwählen, da wir sonst die Daten den falschen Datenträger löschen würden. Wenn du dir nicht sicher bist, worum es hier geht, fahre nicht fort. Gib folgenden Befehl ein, um die Liste der von Windows eingebundenen Laufwerke aufzurufen:
list disk
Im nächsten Schritt wählen wir die SD-Karte mit dem Befehl select disk aus. (Achtung! Wähle das korrekte Laufwerk!). In meinem Fall handelt es sich um Datenträger 1.
select disk 1
Gib nun nacheinander die folgenden Befehle ein. Damit wird eine Partition mit einer Größe von 512 MB erstellt. Wir sind zwar nicht auf 512 MB beschränkt, sollten aber keine größere Partition als 1 GB erstellen.
clean
create partition primary size=512
format fs=fat32 quick
list partition
Wenn alle Befehle richtig eingegeben wurden, sollte Diskpart die soeben erstellte Partition und deren Speichergröße anzeigen.
Mit exit beenden wir Diskpart. Im nächsten Schritt werden einige beliebige Amiga-Programme auf die SD-Karte kopiert. Der Entwickler des Projekts stellt alternativ auf seiner Seite eine kleine Softwaresammlung zur Verfügung, die wir auf die Karte kopieren können.
Der erste Test
Jetzt können wir endlich die SD-Box testen. Bevor wir die SD-Box am Amiga anschließen, sollten wir diesen ausschalten. Anschließend stecken wir die SD-Karte in die SD-Box und diese wiederum in die parallele Schnittstelle. Dann schalten wir die Geräte in der folgenden Reihenfolge ein.- Zuerst den Amiga
- Und anschließend versorgen wir den Arduino mittels USB-Kabel mit Spannung
Um den ersten Test durchzuführen, nutzen wir die Diskette, die der Entwickler bereitgestellt hat. Für die Einrichtung wird entweder eine Diskette benötigt oder alternativ ein Gotek Floppy Drive Emulator verwendet. Meine Tests ergaben, dass die Diskette nicht mit Kickstart 3.2 kompatibel ist. An dieser Stelle gehen wir davon aus, dass ein Kickstart in der Version 3.1 oder älter im Amiga verbaut ist. In diesem Beispiel wird ein Amiga 500 mit Kickstart 1.3 verwendet, auf dem die genannte Diskette gebootet wird. Nach Abschluss einer kurzen Ladezeit sollte eine Diskette auf der Workbench sichtbar sein. Um die SD-Karte einzubinden, öffnen wir diese und klicken auf "Mount_SD".
Für Amigas, die mit einer neueren Kickstart-Version ausgestattet sind, sollte "SDA1200" geladen werden. Sollten Fehler angezeigt werden, könnte die Ursache in einer nicht kompatiblen SD-Karte liegen. Beim Zugriff auf die SD-Karte sollte die LED am Arduino blinken. Sollte dies nicht zutreffen, könnte dies ein Hinweis auf eine Inkompatibilität der SD-Karte oder eine nicht ordnungsgemäße Firmware-Installation sein.
Die Software auf eine Festplatte kopieren
Wenn wir in unserem Amiga eine Festplatte oder eine CF-Karte installiert haben, können wir die Software auf dieser installieren, ohne jedes Mal von Diskette booten zu müssen. Meinem Test zufolge funktioniert dies auch unter AmigaOS 3.2. Wir laden AmigaOS, legen die Diskette der SD-Box ein und kopieren die Daten wie folgt auf die Festplatte. In diesem Beispiel werden die Daten auf einem Amiga 500 mit CF-Karte und AmigaOS 3.2 kopiert.df0:DEVS/spisd.device nach dh0:DEVS
df0:C/MountA1200 nach dh0:C
df0:SDA1200 (mit Icon) nach dh0:STORAGE
df0:L/fat95 nach dh0:L
Durch einen Doppelklick auf „SDA1200” sollte die SD-Karte eingebunden werden.