Tutorial: Mehrere Amiga-Betriebssysteme auf einer Festplatte

Im Laufe der Jahrzehnte wurden zahlreiche Betriebssystem-Versionen für den Amiga veröffentlicht. Jede davon benötigt eine entsprechende Kickstart-Version, und einige erfordern zusätzlichen Speicher. Auch heute noch wird aktiv an neuen AmigaOS-Versionen und Kickstart-Updates gearbeitet. Es ist jedoch nicht immer notwendig, die neueste AmigaOS-Version zu verwenden, da einige ältere Programme nur mit der Kickstart/AmigaOS-Version kompatibel sind, für die sie entwickelt wurden. Daher kann es vorteilhaft sein, sowohl eine neue als auch eine ältere Version des Betriebssystems zu installieren.


Bevor es losgeht, noch ein paar Hinweise (Wichtig!)
  • Bei der Installation des Betriebssystems wird die Festplatte/CF-Karte unwiderruflich gelöscht. Erstelle daher vor der Installation ein Backup aller Daten.
  • Der Kickstart sollte nur im ausgeschalteten Zustand umgeschaltet werden.
  • Aktiviere den Schreibschutz auf Disketten, um versehentliches Löschen von Daten zu verhindern.
  • Arbeite an der Hardware nur im spannungsfreien Zustand. Stecke die Festplatte/CF-Karte nur in den Rechner, wenn dieser ausgeschaltet ist.
  • Vermeide statische Ladungen durch das Tragen eines Antistatik-Armbands.
  • Ich übernehme keine Verantwortung für Schäden, die direkt oder indirekt durch diese Anleitung entstehen.
Was wird benötigt?
  • Amiga mit HD/CF-Karte
  • AmigaOS auf Diskette oder als Image

Welche Kickstart-Version brauche ich?

Das hängt davon ab, da jede Kickstart-Version nur bestimmte Betriebssystem-Versionen unterstützt. Die Kickstart-Version muss nicht unbedingt mit der OS-Version übereinstimmen. Hier sind zwei Beispiele:

Kickstart 3.1 unterstützt AmigaOS 1.2 bis 3.1
Kickstart 3.2 unterstützt nur AmigaOS 3.2

Deshalb sollte man sich überlegen, welche Kickstart- und welche AmigaOS-Versionen benötigt werden.

Wo finde ich die Kickstart-ROMs?

Obwohl der Kickstart auf einigen Websites zum Download angeboten wird, ist das Herunterladen und Verwenden dieser ROMs illegal, da sie urheberrechtlich geschützt sind. Es gibt jedoch legale Möglichkeiten, diese Kickstart-Images zu erhalten.
  • Erwerb des Amiga-Forever Paketes von Cloanto.
  • Kauf des Kickstarts in einem der Retro-Shops, die sich auf Amiga-Zubehör spezialisiert haben. Z.B. amigastore.eu
  • Extrahieren des Kickstarts von einem echten Amiga.


Kickstart-Images sind ausschließlich mit Amiga-Emulatoren kompatibel. Für die Verwendung auf einem echten Amiga müssen diese jedoch auf ein EPROM kopiert werden, was in dieser Anleitung nicht behandelt wird. Wer kein EPROM brennen kann, sollte sich nach einer fertigen Lösung umsehen.


Der Amiga 500 rev5 und der Amiga 2000 rev4 benötigen einen speziellen Kickstart-Adapter, um neuere Kickstarts verwenden zu können.

Der Kickstart-Umschalter

Wir haben nun festgestellt, dass je nach AmigaOS-Version eine oder mehrere Kickstart-Versionen erforderlich sind. Zum Booten von AmigaOS 1.3 bis 3.1 genügt eine einzige Kickstart-Version. Sollten wir jedoch aus Kompatibilitätsgründen einen Kickstart der Version 1.3 benötigen, aber nicht auf einen neueren verzichten wollen, benötigen wir beide ROMs. Um zwischen diesen beiden Versionen zu wechseln, ist ein Kickstart-Umschalter notwendig. Hierfür gibt es verschiedene Lösungen.

- Die Old-School Lösung - Einen Kickstart-Umschalter mit zwei oder mehreren Sockeln.
- Ein Kickstart-Flash Adapter. Erhältlich mit bereits aufgespielten Kickstart-Versionen.

Zwei (oder mehrere) AmigaOS-Versionen auf einer Festplatte

Diese Anleitung beschreibt die Installation von zwei AmigaOS-Versionen, nämlich Kickstart 1.3/AmigaOS 1.3 und Kickstart 3.2.2/AmigaOS 3.2.2, auf einer einzigen Festplatte. Darüber hinaus wird eine separate Partition für die Installation von Programmen und Spielen erstellt. Das Ganze soll auf einem Amiga 500 durchgeführt werden.

Bevor wir mit der Partitionierung der Festplatte beginnen, ist ein wichtiger Punkt zu beachten. Diese Anleitung verwendet keine zusätzliche Software zum Umschalten zwischen den installierten AmigaOS-Versionen. AmigaOS bietet bereits ab Werk die Möglichkeit, die Boot-Partition auszuwählen. Diese Funktion ist jedoch erst ab Kickstart 2.0 verfügbar. Das bedeutet, dass wir mit einem älteren Kickstart keine Möglichkeit haben, die Boot-Partition auszuwählen. In diesem Fall muss AmigaOS in Version 1.3 oder älter auf der ersten Partition installiert sein, damit es ohne Bootmenü startet.

In diesem Beispiel partitionieren wir die Festplatte unter WinUAE, um eine flexible Installation nach unseren Wünschen zu ermöglichen. Anschließend wird das Image auf eine physische Festplatte oder CF-Karte kopiert. Zuerst laden wir WinUAE herunter und installieren diesen. Im Menü „Paths“ geben wir dann das Verzeichnis an, in dem sich die Kickstart-Images befinden.


In meinem Beispiel werde ich einen Amiga 500 mit Kickstart 3.2 emulieren, aber jeder kann seine eigene Konfiguration wählen.



Wir erstellen ein HDF-Image, also ein Abbild der Festplatte. Das Image sollte die Größe der Festplatte oder CF-Karte im echten Amiga nicht überschreiten. In meinem Fall reicht ein Image mit 10 GB. Es ist wichtig, dass das erstellte Image eine RDB-Festplatte ist. Die Erstellung des HDF-Images wird in den folgenden Bildern erläutert.



Das erstellte HDF-Image wurde automatisch eingebunden. Wir können die vorgenommenen Einstellungen nun unter „Configurations“ speichern.


Für die Nutzung des Tools „HDToolsBox“ booten wir anschließend von einer AmigaOS Install-Diskette in der Version 2.1 oder neuer.


Wir starten nun den virtuellen Amiga und klicken mit der rechten Maustaste auf das Icon „HDToolsBox“. Im Menü am oberen Bildschirmrand wählen wir „Informationen“. Hier ändern wir die Zeile „scsi.device“ in „uaehf.device“. Diese Änderung ist notwendig, damit AmigaOS unsere virtuelle Festplatte erkennt.



Jetzt starten wir HDToolsBox. Nach kurzer Wartezeit sollte die eingebundene virtuelle Festplatte erscheinen.


Klicke auf die Festplatte, wähle „Change Drive Type“ und dann „Define new…“.


Es öffnet sich ein neues Fenster, wo wir zuerst auf "Read Configuration" klicken und den daraufhin eingeblendeten Hinweis mit "Continue" bestätigen.


Wir klicken zweimal auf OK, um das Hauptmenü zu erreichen. Dort wählen wir „Partition Drive“. Standardmäßig sind hier bereits zwei Partitionen eingerichtet. Diese löschen wir mit „Delete Partition“ und erstellen die gewünschte Anzahl an Partitionen mit „New Partition“. Die Größe jeder Partition lässt sich mit dem Schieberegler anpassen. Meine gewünschte Partitionierung sieht wie folgt aus.


Beachte, dass AmigaOS älter als Version 3.1.4 nur Partitionen mit maximal 4 GB unterstützt. Benenne die erste Partition DH0, die zweite DH1 und so weiter. Stelle sicher, dass bei allen Partitionen, auf denen ein Betriebssystem installiert werden soll, das Häkchen bei „Bootable“ gesetzt ist.


Wir bestätigen die vorgenommenen Änderungen mit OK und speichern die Laufwerkseinstellungen durch Klicken auf „Save Changes to Drive“.


Wir starten den Rechner neu und booten von der AmigaOS Install-Diskette. Die angelegten Partitionen sollten nun sichtbar sein. Da diese jedoch noch nicht formatiert wurden, ist der Zugriff noch nicht möglich. Markiere eine Partition und wähle im AmigaOS-Menü die Option „Formatieren“. Wähle anschließend die Schnell-Formatierung.


Wiederhole diesen Vorgang für jede Partition und vergib am besten einen eindeutigen Namen. Anschließend installieren wir alle benötigten Betriebssysteme.

Nur für AmigaOS1.3:
Wie bereits erwähnt, sollte AmigaOS 1.3 oder eine ältere Version auf der ersten Partition installiert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass dieses Betriebssystem automatisch gestartet wird, wenn beim Booten keine Partition ausgewählt wird.

Betriebssysteme neuer als Version 1.3 können auf jeder Partition installiert werden. AmigaOS 1.3 oder älter haben keinen Installer. Die Betriebssystemdaten müssen daher manuell auf die Partition kopiert werden. Die Vorgehensweise ist wie folgt:

Boote AmigaOS 1.3 von Diskette (mit Kickstart 3.1 oder älter), starte die CLI/Shell und gib folgenden Befehl ein.

COPY DF0: DH0: ALL CLONE


Der gesamte Inhalt der Diskette wird kopiert. Nach Abschluss des Vorgangs sollte der Rechner direkt von der Festplatte booten, sofern der korrekte Kickstart vorhanden ist.


Nun können alle weiteren Betriebssysteme auf den entsprechenden Partitionen installiert werden.

Die Boot-Partition

Nach der Installation aller Betriebssysteme benötigen wir eine Möglichkeit, die Boot-Partition auszuwählen. Ab Kickstart 2.0 steht uns ein Boot-Menü zur Verfügung. Um dieses zu laden, müssen beide Maustasten gleichzeitig gedrückt werden, sobald der Amiga eingeschaltet oder ein Reset durchgeführt wird. Die Maustasten sollten erst losgelassen werden, wenn das Boot-Menü erscheint.


Wähle „Boot Options…“ und anschließend die gewünschte Boot-Partition.


Diese Liste zeigt nur die Partitionen, die wir während des Partitionierungsprozesses als „bootable“ markiert haben. Nach der Bestätigung unserer Auswahl sollte das entsprechende Betriebssystem geladen werden. Natürlich muss der passende Kickstart verwendet werden.


Wird der Rechner ohne Auswahl einer Partition gestartet, wird standardmäßig die erste Partition verwendet. In meinem Fall lädt dies AmigaOS 1.3.

Das HDF-Image auf eine Festplatte (oder CF) kopieren

Da wir alle Betriebssysteme auf einer virtuellen Festplatte installiert haben, müssen wir diese nun auf den echten Amiga übertragen. Dazu muss die Amiga-Festplatte oder CF-Karte an den PC angeschlossen werden. Dafür gibt es eine Vielzahl von Adaptern.

Als Nächstes benennen wir die Dateiendung des Amiga Festplatten-Images von HDF in IMG um. Diese Änderung ist notwendig, da Balena Etcher, das Tool zum Kopieren des Images, HDF-Dateien nicht unterstützt.


Nachdem dies erledigt ist, laden wir Balena Etcher herunter und starten es. Mit „Flash from file“ wählen wir das Image aus, das auf die Festplatte oder CF-Karte kopiert werden soll. Mit „Select Target“ wird das Ziellaufwerk ausgewählt, also die Amiga Festplatte oder CF-Karte. Achtung: Der Datenträger wird unwiderruflich gelöscht. Stelle sicher, dass das richtige Laufwerk gewählt wurde und keine wichtigen Daten darauf gespeichert sind.


Jetzt können wir den Flash-Vorgang mit „Flash!“ starten. Die Festplatte oder CF-Karte kann anschließend in den Amiga eingebaut werden.